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Ehrlich verglichen

„Parfum" auf der Inhaltsstoffliste: Das eine Wort, hinter dem sich hundert Stoffe verstecken dürfen

Auf fast jeder Kosmetikpackung steht irgendwo das Wort „Parfum" — und dieses eine Wort darf für eine ganze Rezeptur stehen: Dutzende, teils weit über hundert Einzelstoffe, die der Hersteller nicht einzeln nennen muss. Das ist kein Skandal, sondern geltendes Recht — Duftformeln gelten als Geschäftsgeheimnis. Aber es lohnt sich zu wissen, was hinter dem Wort steckt, was trotzdem deklariert werden muss und warum „natürlich" hier keine Ausnahme bedeutet.

Von Dominik & Sabrina · Aktualisiert am 21.08.2026

Duft-Zutaten von oben: Pfirsiche, Muskatnüsse, Gewürznelken, Zimt und Rosenblätter

Warum ein Wort reichen darf

Die Inhaltsstoffe von Kosmetik werden nach dem INCI-System gelistet — jede Zutat mit ihrem Normnamen, absteigend nach Menge. Für Duftstoffe macht das Regelwerk eine Ausnahme: Die gesamte Duftkomposition darf unter dem Sammelbegriff „Parfum" (oder „Fragrance") zusammengefasst werden. Der Grund ist historisch nachvollziehbar: Eine Duftformel ist das Kapital eines Parfümhauses, und wer sie vollständig deklarieren müsste, würde sie der Konkurrenz schenken.

Die Folge für Dich: Ob hinter „Parfum" drei Stoffe stehen oder dreihundert, ob synthetisch oder natürlich — von außen ist es nicht zu erkennen.

Was trotzdem einzeln auf der Packung stehen muss

Ganz blind lässt Dich das EU-Kosmetikrecht nicht. Bestimmte Duftstoffe, die überdurchschnittlich oft Kontaktallergien auslösen, müssen ab festgelegten Konzentrationen einzeln deklariert werden — deshalb liest Du auf Packungen Namen wie Linalool, Limonen, Geraniol oder Citral. Lange galt das für 26 Stoffe; mit einer Verordnungsänderung von 2023 wird diese Liste deutlich ausgeweitet, auf rund 80 Einträge, mit Übergangsfristen bis in die Jahre 2026 und 2028.

Wichtig zum Einordnen: Ein deklarierter Allergenname ist eine Information für Menschen mit bekannter Empfindlichkeit — kein Warnhinweis für alle. Wer nicht allergisch ist, muss Linalool nicht fürchten.

Die unbequeme Wahrheit für Naturfans

Und hier wird es für Naturparfüm-Freunde ehrlich: Diese Allergene stammen nicht etwa nur aus dem Chemiebaukasten — es sind großteils genau die Moleküle, aus denen ätherische Öle natürlicherweise bestehen. Linalool prägt Lavendel und Muskatellersalbei, Limonen steckt in jeder Zitrusschale und auch im Palo-Santo-Holz, Geraniol in Rose und Geranie. „Natürlich" heißt nicht allergenfrei, und ein Naturparfüm trägt diese Deklarationen genauso wie ein konventionelles.

Der Unterschied liegt woanders: bei der Frage, was SONST noch in der Flasche ist — und wie offen ein Hersteller darüber spricht.

Woran Du offene Hersteller erkennst

Ein gutes Zeichen ist, wenn eine Marke mehr sagt, als sie muss: welche Öle verwendet werden, woher sie stammen, worauf der Duft angesetzt ist. Wyld Notes etwa veröffentlicht zu jedem Duft die Notenpyramide und benennt die Öle, die laut Hersteller von den eigenen und Partnerfarmen stammen — samt der Angabe, dass die Düfte auf organischem, unvergälltem Zuckerrohralkohol angesetzt sind. Solche Angaben ersetzen keine vollständige Formel, aber sie sind das Gegenteil des Versteckspiels, das das eine Wort „Parfum" erlauben würde.

Unsere Empfehlung fürs Etikettenlesen: Miss eine Marke nicht daran, OB „Parfum" auf der Liste steht — das steht es fast immer. Miss sie daran, wie viel sie freiwillig drumherum erzählt.

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